Die ersten Filmhighlights des Jahres sind schon in den Kinos angelaufen und zeugen wieder von der großen Vielfalt, die Österreichs Kinolandschaft zu bieten hat. Für jeden Geschmack und aus jedem Genre ist etwas dabei.

 

Seit 19. Jänner ist etwa Adrian Goigingers neuer Streifen RICKERL – MUSIK IS HÖCHSTENS A HOBBY zu sehen, der die Welt der Straßen- und Beiselmusik Wiens in einer gefühlvollen Mischung aus Komödie und Drama porträtiert. Gespielt von Voodoo Jürgens, jongliert Hauptfigur Erich „Rickerl“ Bohacek zwischen seiner Leidenschaft für schwarzhumorige Lieder und der Herausforderung, ein guter Vater zu sein. Ein Lebensentwurf, der viele Höhen und Tiefen mit sich bringt.

 

Erst vor wenigen Tagen ist Nikolaus Geyrhalters neuer Dokumentarfilm STILLSTAND angelaufen, ein Film, der mit der COVID-19-Pandemie ein prägendes Kapitel der jüngsten Zeitgeschichte unter die Lupe nimmt. Über zwei Jahre hinweg hat der Filmemacher den Verlauf und die gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie am Beispiel der Stadt Wien beobachtet und dabei mit eindrücklichen Bildern festgehalten, wie sich von einem Tag auf den anderen Stillstand in einer ganzen Stadt breit gemacht hat.

 

Die österreichisch-deutsche Koproduktion STELLA. EIN LEBEN. erstrahlt ebenfalls ganz frisch auf den Kinoleinwänden. Bis zu 3.000 Jüdinnen und Juden im Untergrund soll die als „Greiferin“ bekannt gewordene Jüdin Stella Goldschlag von 1943 bis Kriegsende denunziert und der Gestapo ausgeliefert haben, um ihre Eltern und sich selbst vor der Ermordung zu bewahren. Das außergewöhnliche Leben und die Gefühlswelt dieser Frau im Zeichen von menschenverachtendem Krieg und Ausnahmezustand stehen im Mittelpunkt von Kilian Riedhofs Drama.

 

Unmittelbar nach ihrer Weltpremiere bei der Berlinale feiert Josef Haders zweite Regiearbeit ANDREA LÄSST SICH SCHEIDEN ihren Kinostart in Österreich. Fans dürfen sich dabei nicht nur auf den stets mit Melancholie und Tragik verbundenen Humor freuen, der das Filmschaffen Haders auszeichnet, sondern auch auf eine groß aufspielende Birgit Minichmayr als unglückliche Provinz-Polizistin Andrea. Ausgerechnet ein tragischer Unfall mit dem Noch-Ehemann, der ihr betrunken vors Auto läuft, hindert Andrea dabei, vom unglücklichen Landleben in die Stadt zu flüchten. Doch wie es der Zufall will, hält sich der von Josef Hader verkörperte trockene Alkoholiker Franz selbst für den Täter und die Dorfgemeinschaft ebenfalls.

 

Am 8. März folgt mit DES TEUFELS BAD ein weiterer Berlinale-Starter. Das Regie-Duo Veronika Franz und Severin Fiala, das sich in den vergangenen Jahren zu einer Fixgröße im Horror-Genre entwickelt hat, geht hier, historisch fundiert, einem bislang im Dunklen verbliebenen Kapitel europäischer Geschichte nach. In beklemmend-düsterer Atmosphäre, werden die Hintergründe religiös motivierter Kindermorde im 18. Jahrhundert nachgezeichnet, begangen von verzweifelten Frauen, die keinen anderen Ausweg aus der Depression sahen.

 

Genau eine Woche später feiert Joerg Burgers Dokumentarfilm Archiv der Zukunft seinen Einstand. Was für mache womöglich als trockenes Thema anmutet – die Sammlungsschwerpunkte und Arbeitsprozesse des Naturhistorischen Museums (NHM) in Wien – hat der Filmemacher in eindrucksvollen und äußerst lebendigen Einstellungen erlebbar gemacht und dabei den Blick auf die Bedeutung wissenschaftlicher Konservierung für die Zukunft gerichtet.

 

ANIMAL, das international koproduzierte Drama der griechischen Regisseurin und Drehbuchautorin Sofia Exarchou, thematisiert die Schattenseiten der massentouristischen Vergnügungsindustrie auf der Insel Kreta am Beispiel der Langzeit-Animateurin Kalia und ihrer Kolleg:innen. Endloses Sommerfeeling, ausgelassene Clubnächte und der permanente Exzess fordern irgendwann Tribut. Die Selbstausbeutung in prekären Verhältnissen macht den Zusammenbruch unausweichlich, zumal die Nächte des bunt zusammengewürfelten Kollektivs zunehmend in Gewalt ausarten. Ab 29. März im Kino.

 

Der am 5. April startende Dokumentarfilm VISTA MARE des Duos Julia Gutweniger und Florian Kofler widmet sich einem ähnlichen Thema, der „unsichtbaren“ Arbeit hinter den Kulissen des traditionellen Sommerurlaubs an den Küstenorten der nördlichen Adria. Über eine ganze Sommersaison beleuchtet der Film mit teils surreal erscheinenden Bildern, was an den Tourismus-Hotspots im Hintergrund passiert, um für Gäste das perfekte Idyll und Urlaubs-Feeling pur zu erzeugen.

 

Das lang erwartete und ebenfalls bei der Berlinale erstaufgeführte Maria-Lassnig-Biopic

MIT EINEM TIGER SCHLAFEN von Anja Salomonowitz läuft ab 12. April in den Kinos. Birgit Minichmayr verkörpert die Ausnahmekünstlerin darin eindrucksvoll über alle Lebensphasen hindurch bei der Entwicklung eines ganz eigenen künstlerischen Ausdrucks.

 

Die von Kat Rohrer geschriebene und inszenierte Komödie WHAT A FEELING mit Caroline Peters und Proschat Madani versprüht ab 19. April Optimismus und Lebensfreude. Nachdem sich ihr Mann von ihr trennt, gerät das bislang beruflich wie privat perfekte Leben der Ärztin Marie Theres aus den Fugen. Doch nach und nach gelingt es ihr, die eigenen Wünsche in den Mittelpunkt zu rücken, begleitet von der selbstbewussten Iranerin Fa, zu der eine immer stärkere Verbindung heranwächst.

 

Franz Kafka und dessen letzte Lebensgefährtin Dora Diamant konnten unterschiedlicher nicht sein. Dennoch bauten Sie nach ihrem Kennenlernen 1923 in einem deutschen Ostseebad in kürzester Zeit eine intensive Beziehung zueinander auf. Bis zu seinem Tod nur ein Jahr später pflegte Diamant den in Folge einer Lungentuberkulose todkranken Kafka hingebungsvoll. In der deutsch-österreichischen Koproduktion Die Herrlichkeit des Lebens gehen Georg Maas und Michael Gutmann dieser besonderen Liebe auf die Spur.

 

Und das ist nur ein kleiner Auszug der kommenden Filmproduktionen, die uns dieses Jahr im Kino erwarten. Wir können gespannt sein, was noch alles auf uns wartet.

Kinostart: 19.01.2024

Rickerl - Musik is höchstens a Hobby

Spielfilm
Regie: Adrian Goiginger
Kinostart: 09.02.2024

Stillstand

Dokumentarfilm
Regie: Nikolaus Geyrhalter
Kinostart: 16.02.2024

Stella. Ein Leben.

Spielfilm
Regie: Kilian Riedhof
Kinostart: 23.02.2024

Andrea lässt sich scheiden

Spielfilm
Regie: Josef Hader
Kinostart: 08.03.2024

Des Teufels Bad

Spielfilm
Regie: Severin Fiala, Veronika Franz
Kinostart: 15.03.2024

Archiv der Zukunft

Dokumentarfilm
Regie: Joerg Burger
Kinostart: 29.03.2024

Animal

Spielfilm
Regie: Sofia Exarchou
Kinostart: 05.04.2024

Vista Mare

Dokumentarfilm
Regie: Florian Kofler, Julia Gutweniger
Kinostart: 12.04.2024

Mit einem Tiger schlafen

Spieldokumentation
Regie: Anja Salomonowitz
Kinostart: 19.04.2024

What a Feeling

Spielfilm, Nachwuchs
Regie: Kat Rohrer
Kinostart: 07.06.2024

Die Herrlichkeit des Lebens

Spielfilm
Regie: Georg Maas, Judith Kaufmann