Gender*Diversity*Inclusion im ÖFI
Die Förderung von Geschlechtergerechtigkeit, Diversität und Inklusion ist ein zentraler Bestandteil der Arbeit des Österreichischen Filminstituts.
Die institutionelle Verankerung dieser Themen begann im Jahr 2013, als das ÖFI eine Sitzung von Eurimages, dem Filmförderfonds des Europarats, ausrichtete. Im Rahmen dieser Veranstaltung tagte auch die Arbeitsgruppe für Gender Equality, die für interessierte Vertreter*innen der österreichischen Filmbranche geöffnet wurde. Dabei berichteten weibliche Filmschaffende über bestehende Ungleichheiten und Erfahrungen mit Sexismus in der Branche und machten die Notwendigkeit struktureller Veränderungen deutlich. Aus diesen Impulsen heraus wurde 2014 eine Gender-Abteilung am ÖFI eingerichtet.
Das Engagement von Filmschaffenden und Interessenvertretungen brachte das Thema auch auf die politische Agenda. 2016 verabschiedete der Nationalrat eine Entschließung zur Frauenförderung in der Filmbranche und beauftragte die zuständigen Institutionen, wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit zu entwickeln und umzusetzen. Für das ÖFI bedeutete dies eine Stärkung der begonnenen Aktivitäten.
Seither wurden die Maßnahmen des ÖFI kontinuierlich ausgebaut. Aus dem ursprünglichen Fokus auf Gendergerechtigkeit entwickelte sich ein umfassenderer Ansatz, der heute die Bereiche Gender, Diversity und Inclusion umfasst. Die nachfolgenden Maßnahmen bilden die zentralen Bausteine dieses Engagements.
Förderpolitik & Institutionelle Verantwortung
Seit 2017 ist die Projektkommission des ÖFI geschlechterparitätisch besetzt, seit 2019 gilt dies auch für den Aufsichtsrat.
Seit 2021 verfolgt das ÖFI mit dem Instrument des Gender Budgeting das Ziel, Fördermittel möglichst ausgewogen zwischen Frauen und Männern zu verteilen. Grundlage dafür ist die Geschlechterverteilung in den zentralen Funktionen Drehbuch, Regie und Produktion, die bei der laufenden Beobachtung der Fördervergabe berücksichtigt wird. Die Zielvorgabe wurde schrittweise erhöht und liegt seit 2024 bei einer angestrebten Verteilung von 50:50
Mit dem Gender Incentive führte das ÖFI 2019 ein finanzielles Anreizsystem zur Förderung geschlechtergerechter Teams ein. Produktionen können zusätzliche Fördermittel erhalten, wenn Frauen (und marginalisierte Geschlechter) in Headdepartments vertreten sind, in denen sie unterrepräsentiert sind. Die Maßnahme wird regelmäßig anhand der Ergebnisse des Österreichischen Film Gender Reports evaluiert und weiterentwickelt.
Der Inklusions-Check wurde 2017 eingeführt und 2025 grundlegend weiterentwickelt. Er dient der Auseinandersetzung mit Geschlechtergerechtigkeit, Diversität, Inklusion und Diskriminierung sowohl in den Filmprojekten, als auch im Filmförderprozess. Der Check umfasst eine eine strukturierte Selbstreflexion der Antragsteller*innen sowie eine standardisierte Einordnung durch externe Analyst*innen. Dabei werden unter anderem Fragen der Repräsentation, Diversität, Diskriminierungsfreiheit und der Darstellung von Gewalt betrachtet. Die Ergebnisse fließen als zusätzliche Perspektive in die Diskussionen der Projektkommission ein.
Seit 2023 ist die Einhaltung eines Code of Ethics verbindlicher Bestandteil aller Förderverträge des ÖFI. Der Code of Ethics verpflichtet Produzent*innen, präventive Maßnahmen gegen Diskriminierung, Belästigung, Machtmissbrauch und andere Formen von Fehlverhalten zu setzen sowie geeignete Ansprechstrukturen bereitzustellen. Für Produktionen mit Kindern und Jugendlichen gelten darüber hinaus besondere Kinderschutzbestimmungen.
Im März 2026 organisierte die Gender*Diversity*Inclusion-Abteilung einen Sensibilisierungsworkshop für die Projektkommission des ÖFI. Ziel war es, das Bewusstsein für Diversität, Antidiskriminierung und intersektionale Perspektiven im Förderwesen zu stärken. Der Workshop verband Grundlagenwissen mit filmbezogenen Praxisbeispielen und internationalen Best-Practice-Modellen. Weitere Workshops zur Vertiefung einzelner Themenbereiche sind geplant.
Die European Film Agency Directors Association (EFAD) richtete 2017 eine Arbeitsgruppe für den Austausch zu Gender- und Diversitätsfragen in europäischen Filmförderinstitutionen ein. Seit Dezember 2021 wird die Arbeitsgruppe von Iris Zappe-Heller, stellvertretende Direktorin des ÖFI, geleitet.
Wissen für Veränderung
Seit 2018 veröffentlicht das ÖFI regelmäßig den Österreichischen Film Gender Report. Die Studie untersucht Geschlechterverhältnisse in der österreichischen Filmbranche und analysiert unter anderem Förderentscheidungen, die Verteilung von Fördermitteln, die Zusammensetzung von Filmteams sowie Repräsentation und Inhalte österreichischer Kinofilme. Grundlage sind Daten des ÖFI sowie weiterer österreichischer Förderinstitutionen.
2016 veröffentlichte das ÖFI den von Dina Yanni verfassten Bericht „Perspektiven auf Rassismus im Film“, die antirassistische Ansätze im internationalen Kino untersucht. 2021 folgte eine weitere Veröffentlichung mit Schwerpunkt auf den österreichischen Film. Die Publikationen analysieren, wie filmische Erzählungen und ästhetische Entscheidungen diskriminierende Strukturen reproduzieren oder hinterfragen können.
Das Österreichische Filminstitut bereitet die Einführung von OMNI Inclusion Data in Österreich vor. Das gemeinsam mit MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und The Everyone Project entwickelte Tool ermöglicht die anonyme Erhebung von Diversitätsdaten und schafft eine belastbare Datengrundlage für mehr Vielfalt und Inklusion in der Filmbranche.
Sichtbarkeit und Bewusstseinsbildung
Das Talent LAB ist ein Nachwuchsförderprogramm des ÖFI und des FFW. Seit 2025 gestaltet die Gender*Diversity*Inclusion-Abteilung Programmpunkte, die sich mit diskriminierungskritischem Filmschaffen, inklusivem Storytelling sowie Machtmissbrauch und Prävention in der Filmbranche befassen.
Das ÖFI veröffentlicht regelmäßig Interviews mit Regisseurinnen, deren Projekte eine Produktionsförderung erhalten haben. Die Gespräche bieten Einblicke in ihre Arbeit und tragen dazu bei, die Sichtbarkeit von Regisseurinnen und ihren künstlerischen Leistungen zu erhöhen.
Unterstützung & Partnerschaften
Das ÖFI unterstützt den jährlichen Drehbuchwettbewerb „If She Can See It, She Can Be It“, eine Initiative des Drehbuchforum Wien, des Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport sowie von FC Gloria. Der Wettbewerb fördert Stoffe mit vielschichtigen weiblichen Figuren jenseits traditioneller Geschlechterstereotype.
ProPro ist ein Mentoring- und Vernetzungsprogramm für Produzentinnen. Ziel ist es, Frauen in ihrer beruflichen Entwicklung zu unterstützen, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und ihre Position innerhalb der Filmbranche zu stärken.
Das ÖFI unterstützt die Teilnahme österreichischer Produzen*tinnen am Toolbox Programme des European Film Market (EFM) im Rahmen der Berlinale. Das Programm richtet sich an Produzent*innen aus unterrepräsentierten Gruppen und bietet Mentoring, Weiterbildung und internationale Vernetzungsmöglichkeiten.
Das Tandem-Programm unterstützt FLINTA*-Personen, die zum ersten oder zweiten Mal eine Head-of-Department-Funktion übernehmen. Durch die Zusammenarbeit mit einer frei wählbaren erfahrenen Fachperson erhalten die Teilnehmenden individuelle Begleitung in zentralen Phasen des Produktionsprozesses. Das Programm wurde von FC Gloria entwickelt und wird in Kooperation mit dem ÖFI umgesetzt.
Das ÖFI unterstützt Gewächshaus, das Netzwerk von und für BPoC in der deutschsprachigen Filmbranche. Das Netzwerk fördert Austausch, Sichtbarkeit, Weiterbildung und Vernetzung und setzt sich für eine vielfältigere Repräsentation vor und hinter der Kamera ein.
Mit der Unterstützung des Mabacher Awards setzt sich das ÖFI für die Darstellung von Menschen mit Behinderungen jenseits von Vorurteilen und Mitleidsnarrativen ein und trägt so zu einer glaubwürdigen, authentischen Repräsentation auf Augenhöhe bei.
Das ÖFI arbeitet mit D-Arts – Projektbüro für Diversität in verschiedenen Bereichen zusammen. Die Kooperation umfasst unter anderem die Konzeption und Durchführung von Workshops, die Gestaltung von Programminhalten im Talent LAB.