In der sechsten Sitzung 2026 hat die Projektkommission des Österreichischen Filminstituts fünf Talent LAB Entwicklungen gefördert: ein Dokumentarfilmprojekt sowie vier Spielfilmprojekte.

Team-Hans
  • Dokumentarfilm

Hans – or – Don’t Bury Me In The Grave Of My Father

Regie Peter Pflügler
Drehkonzept Peter Pflügler
Produktion Christoph Rohner

Eine Schachtel Negative öffnet sich wie eine Wunde: Der Fotograf Peter entdeckt das Selbstporträt-Archiv seines Urgroßonkel Hans und stößt auf ein Familienerbe aus Schweigen und Schuld. Während er nach Wiedergutmachung sucht, rückt seine eigene traumatische Familiengeschichte immer mehr in den Vordergrund.

Peter Pflügler, *1987, ist in einem kleinen Dorf in Niederösterreich aufgewachsen. Er studierte Fotografie in Den Haag, wo er heute auch lebt. Seine Arbeit fokussiert sich auf die transformierende Kraft von Geheimnissen in Familien. Mithilfe von Fotografie, Text und Bewegtbild untersucht er die Rolle von Schweigen bei der Weitergabe von Traumata. Wenn wir unseren Stammbaum von Kummer zeichnen, wo beginnen dann seine Wurzeln?

Foto © Otmar Pollmann

Christoph Rohner, *1988 in Bregenz geboren, ist Filmemacher und Künstler. Nach seinem Malereistudium an der Universität für angewandte Kunst Wien verlagerte sich sein Schwerpunkt zunehmend auf Film: Seither entwickelt und produziert er Kurzfilme, Musikvideos und weitere Kunstprojekte. Der von ihm produzierte Kurzfilm „Der Kleine Tod“ (2020) wurde mehrfach ausgezeichnet. Aktuell studiert er Filmproduktion im Masterstudium an der Filmakademie Wien. In diesem Rahmen produziert er als Abschlussfilm die Dokumentation „Wo der Pfeffer wächst“ über nachhaltige Landwirtschaft in Tansania. Darüber hinaus sammelte er Erfahrung bei nationalen und internationalen Spiel- und Dokumentarfilmproduktionen, u. a. als Aufnahmeleiter, Location Manager und in der Produktionskoordination.

Foto © Volker Schmidt

Team-Mind-After-Midnight
  • Drama

Mind After Midnight

Regie Sophie Gmeiner
Drehbuch Sophie Gmeiner
Produktion Camille Chanel

Nach der Trennung von ihrer Jugendliebe scheint der Alltag von Magdalena, 35, zu zerfallen. Neben ihrer künstlerischen Arbeit als Schriftgestalterin hangelt sich die Tirolerin durch prekäre Jobs und tragikomische Begegnungen, während ihr Körper zunehmend Warnsignale sendet. Enge Freund*innen bieten familiären Halt, und doch kann ihr niemand die eigene Unsicherheit abnehmen.

In drei Kapiteln – Berlin, Tirol, Portugal – folgen wir Magdalenas Versuch, in dieser Gesellschaft nicht nur zu überleben, sondern auch mutig und ehrlich zu bleiben.

Ein Film über Freundschaft und Selbstermächtigung in regressiven Zeiten.

1992 geboren und aufgewachsen in Tirol. Studium der Philosophie in Wien und Berlin (Master). Arbeit als künstlerische Assistentin und in der Filmproduktion (Komplizen Film, Flaneur Films). Preis für den besten Kurzdokumentarfilm auf der Diagonale 2021 für „FRAUENFRAGMENTE: Gini und Resi“ und zahlreiche Festivalteilnahmen mit dem aktuellen Kurzspielfilm „Nina in einer Reihe Begegnungen“ (IndieLisboa, Kasseler Dokfest, Diagonale). Studium bei Thomas Arslan an der Universität der Künste Berlin (Narrativer Film), bis 2025 auch Tutorin der Klasse.

Foto © Lino Strässer

1992 in Paris geboren. Sie studierte Germanistik, Interkulturelle Mediation und Übersetzen in Paris und Berlin. 2015 zog sie nach Wien, wo sie Praktika am Volkstheater und am Schauspielhaus Wien absolvierte. 2017 wandte sie sich dem Film zu und war seitdem in den Bereichen Verleih, World Sales und Produktion tätig. Von 2021 bis Mai 2026 arbeitete sie bei Panama Film als Junior- und Line-Producerin – zuletzt an „White Snail“ von Elsa Kremser und Levin Peter sowie an „Everytime“ von Sandra Wollner. Parallel dazu produzierte sie unabhängig „Teresas Körper“ von Magdalena Chmielewska. Zudem absolvierte sie das La-Fémis-Programm „Expertiser un scénario“, den EAVE Marketing Workshop, das Programm „Business and Legal Affairs“ des International Screen Institute sowie die ZFF Academy 2026.

Foto © Elsa Okazaki

Team-Performing-Rehearsal
  • Drama

Performing Rehearsal

Regie Lilith Kraxner
Drehbuch Lilith Kraxner
Produktion Saskia Arth

Eine Gruppe von Performer*innen kommt zusammen, um gemeinsam eine Musical-ähnliche Performance zu erarbeiten. Während der Prozess von Alltagsdramen, körperlichen Anstrengungen, Beziehungsdynamiken und Schwärmereien durchwachsen ist, verschwimmt die fiktionale Performance-Ebene langsam mit der Realität der Proben.

Zwischen kleinen Momenten und (melo-)dramatischen Gesten entfalten sich die intimen und praktischen Dimensionen eines Probenprozesses: Warm-Ups, Choreografien, Kostümproben, heimliche Crushes, gemeinsame Mittagspausen, Tränen und Erschöpfung. Während sich langsam Gruppendynamiken abzeichnen, verdichtet sich der Proberaum zu einem Mikrokosmos, in dem Fragen kollektiver Arbeit, queeren Begehrens und Care neu verhandelt werden.

Die Figuren bewegen sich entlang von Schwellen, zwischen On- und Offstage, Selbst und Rolle, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. Entgegen der Erwartung einer finalen Premiere verweilt der Film in Fragmenten, Wiederholungen und Pausen und richtet den Blick auf die Probe als gemeinsamer Raum des Ausprobierens, Experimentierens und Scheiterns.

Lilith Kraxner (sie/ihr), *1995, lebt und arbeitet in Wien. Nach zweijähriger Ausbildung an der Schule Friedl Kubelka für unabhängigen Film hat sie 2025 ihr Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien in der Klasse Kunst und Zeit | Video bei Dorit Margreiter Choy abgeschlossen. Lilith arbeitet mit Alltagsbeobachtungen, die sie in Film- und Textarbeiten einfließen lässt. Ihr bisheriges Filmschaffen ist von einer langjährigen Kollaboration mit Milena Czernovsky geprägt, mit der sie für ihre beiden Langspielfilme „Beatrix“ (2021, unabhängig produziert) und „bluish“ (2024, Panama Film) an Skript, Montage, Szenenbild und Regie arbeitete. Lilith ist Teil von kuntsverein und interessiert sich für Gossip, Akwardness und kollektive Praxen.

Foto © Daniel Hill / Bildrecht

Saskia Arth, *1994 in Wien, studierte nach mehrjähriger Tanzausbildung zunächst Theater-, Film- und Medienwissenschaft und anschließend Produktion an der Filmakademie Wien. Während ihres Studiums produzierte sie Kurzfilme wie „Lullaby“ (Regie: Magdalena Chmielewska), „Mein Hosenschlitz ist offen. Wie mein Herz“ (Regie: Marie Luise Lehner) sowie den Spielfilm „Wer wir einmal sein wollten“ (Regie: Özgür Anil). Ihre Filme wurden beim Filmfestival Max Ophüls ausgezeichnet und u. a. in Karlovy Vary, Palm Springs, bei Vienna Shorts und der Diagonale gezeigt. Von 2022 bis 2025 war sie Herstellungskoordinatorin bei Panama Film. Aktuell entwickelt und produziert sie Spiel- und Dokumentarfilmprojekte, darunter „Performing Rehearsal“ (Regie: Lilith Kraxner), das für das Talent LAB 2026 ausgewählt wurde.

Foto © Johanna Daser

Team-TageOhneOrdnung
  • Drama

Tage ohne Ordnung

Regie Jasmin Hagendorfer
Drehbuch Jasmin Hagendorfer
Produktion Viktoria Klammerth, Sandra Theuermann

Winter 1918. In einem abgelegenen österreichischen Dorf haben die Frauen während des Krieges eine eigene Ordnung geschaffen. Arbeit, Vorräte und Entscheidungen werden geteilt, auch die Nähe zwischen Maria und Anna hat darin ihren Platz gefunden. Dann kehren die Männer zurück. Verwundet, verändert und mit der Erwartung, ihren früheren Platz wieder einzunehmen. Mit ihnen kehren alte Ansprüche zurück und die Frage, wie viel von der neuen Ordnung bestehen bleiben kann.

Jasmin Hagendorfer ist eine in Wien lebende Filmemacherin, Produzentin, Künstlerin und Kuratorin. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Kunstfilm, Dokumentarfilm und experimentellen Formen und beschäftigen sich mit queer-feministischen Perspektiven, Körper, Begehren und politischen Fragestellungen. Ihre Kurzfilme und Videoarbeiten, darunter „Musings of a Mechatronic Mistress“, „SLUGFEST“ und „FUDLIAKS! Zerfetzt die Geschlechter!“, wurden international auf Film- und Medienfestivals gezeigt und mehrfach ausgezeichnet. Performative Arbeiten zeigte sie unter anderem an der Volksbühne Berlin; als Speakerin war sie bei TEDxVienna und bei HOPE Hackers On Planet Earth in New York vertreten. Daneben kuratiert sie Film-Programme und publiziert zu feministischen und kulturpolitischen Themen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Jasmin_Hagendorfer

Foto © Offerus Ablinger

Viktoria Klammerth, 1989 in Kärnten geboren, ist seit vielen Jahren in der Film- und Kulturbranche etabliert. Nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften sammelte sie umfassende Erfahrung in der Realisierung kultureller Projekte sowie diverser Filmproduktionen. Den österreichischen Film lernte sie unter anderem am Set von Hans Steinbichlers „Ein ganzes Leben“ kennen, bei internationalen Produktionen wie „Cliffhanger 2“, „DOTJ2“, „John Wick – Ballerina“ und „Tyler Rake: Extraction 2“ verantwortete sie zentrale Abläufe im Produktions- und Locationsdepartment. Parallel ist sie für Kulturinstitutionen wie die Viennale,, Diagonale oder den steirischen Herbst tätig. Ihr beruflicher Weg ist geprägt von internationalem Austausch und interdisziplinärer Arbeit an den Schnittstellen Film, Kultur und Produktion.

Foto © Fabian Sorger

Sandra Theuermann, 1988 in Kärnten geboren und aufgewachsen, lebt und arbeitet in Wien. Derzeit entwickelt sie im Rahmen des Talent LAB mit Regisseurin Jasmin Hagendorfer den Spielfilm „Tage ohne Ordnung“. Aufgrund ihres ethnologischen Hintergrunds interessiert sie neben der Produktion das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Umbrüchen, kulturellen Praktiken und tradierten Ordnungen. Nach mehreren Jahren als Lektorin und im redaktionellen Projektmanagement ist sie seit 2024 auch in Filmproduktion, Stoffentwicklung und Dramaturgie tätig. Ihre bisherigen Projekte umfassen Kurz- und Essayfilme sowie zwei Dokumentarfilme in unterschiedlichen Produktionsphasen – einer in der Postproduktion, der andere in Entwicklung. Bereits während ihres Studiums der Literaturwissenschaft entwickelte sie einen Zugang zu Stoffen, ihrer Strukturierung und ihrer Übersetzung in andere (mediale) Formen.

Foto © privat

Team-Wurzeln-und-Wind
  • Drama

Wurzeln und Wind

Regie Reza Rasouli
Drehbuch Reza Rasouli
Produktion Mo Harawe, Alexander von Piechowski

Zwei Familien, zwei Seiten derselben Straße: Die eine steht kurz vor der Rückkehr in ihre Heimat, die andere ist tief in Österreich verwurzelt. Als die sechzehnjährige Tochter der ersten Familie heimlich schwanger wird, geraten beide Familien in eine Krise, in der alle glauben, das Richtige zu tun – und dabei unbeabsichtigt die Zukunft der anderen für immer verändern.

Reza Rasouli ist ein iranischer Filmemacher, Regisseur und Drehbuchautor und lebt seit 2019 in Wien. Er hat an der Filmakademie Wien Regie studiert, den Bachelor abgeschlossen und arbeitet derzeit an seinem Master in Regie. Seine Kurzfilme wurden auf internationalen Festivals gezeigt, unter anderem Clermont-Ferrand, Tribeca Festival, Palm Springs ShortFest und Short Shorts Film Festival & Asia. „Found & Lost“ gewann beim Tribeca Festival den Student Visionary Award, „Night of Passage“ erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Österreichischen Filmpreis in der Kategorie Bester Kurzfilm.

https://www.rezarasouli.at/

Foto © Konstantin Johann 

Mo Harawe ist ein somalisch-österreichischer Filmemacher. Er lebt seit 2009 in Wien und studierte Visuelle Kommunikation und Film an der Kunsthochschule Kassel. Seine Filme liefen auf zahlreichen internationalen Filmfestivals. 2026 nahm Harawe am Creative Producer Indaba (CPI) des Realness Institute teil. 2025 gründete er mit Alexander von Piechowski die Donkey Film GmbH in Berlin sowie die Donkey Studio GmbH in Wien.

Foto © Bernhard Holub

Alexander von Piechowski, geboren 1990, ist als Produzent, Dramaturg und Editor tätig. Er hat einen Bachelorabschluss in Betriebswirtschaftslehre und studierte den Masterstudiengang Kulturelle Semiotik an der Universität Potsdam. Er lebt in Berlin und arbeitet dort neben seiner Produzententätigkeit ehrenamtlich als Geschäftsführer der international ausgerichteten, selbstorganisierten Filmschule filmArche e.V., an der er ebenfalls als Dozent und Berater tätig ist. 2025 gründete er mit Mo Harawe die Donkey Film GmbH in Berlin sowie die Donkey Studio GmbH in Wien.

Foto © Leon Stanislawski