Analyse der CO2eq-Kompensation
Warum CO2eq-Kompensation und wenn ja wie?
CO₂‑Kompensation kann nur als Ergänzung zu Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen eingesetzt werden (z.B. um ESG‑Ziele und wissenschaftlich fundierte Klimaziele zu erreichen).
Es müssen zuerst die Emissionen durch konkrete Maßnahmen so weit wie möglich reduziert werden. Erst danach können die verbleibenden, nicht vermeidbaren Emissionen durch Kompensation ausgeglichen werden.
Die Kriterienkataloge für die praktische Umsetzung von Filmherstellungen des Österreichischen Filminstituts geben bestimmte MUSS-Kriterien vor, nach denen kompensiert werden muss.
Dabei wird exakt festgelegt, dass ausschließlich Kompensationsanbieter von höchster Güte akzeptiert werden, wie Kompensationsprojekte mit Gold Standard, Verified Carbon Standard (VCS), Certified Emissions Reductions (CER), sowie anerkannte Projekte im Rahmen des Clean Development Mechanism (CDM) des Klimasekretariats der Vereinten Nationen (UNFCCC).
CO₂‑Kompensation ist ausschließlich als Ergänzung eigener Reduktionsmaßnahmen zu sehen, um ESG‑Ziele zu erreichen oder wissenschaftlich fundierte Klimaziele (Science Based Targets) zu unterstützen. Daher erfolgt vorher eine Reduktion aufgrund von konkreten Maßnahmen (Kriterien) und erst im zweiten Schritt ein Ausgleich nicht-vermeidbarer Treibhausgasemissionen.
Auch bei ambitionierten Klimastrategien wird gewisser Anteil an Treibhausgasemissionen ausgestoßen. CO₂‑Kompensation ermöglicht es, anfallende Restemissionen zu verringern, solange alternatives technisches Equipment nicht flächendeckend für die Filmbranche in Österreich zur Verfügung steht oder insgesamt eine allumfassende Reduktion von Transport- und/oder Mobilitätsreduktion stattfindet.
Zusätzlich zur Filmherstellung besteht beim Kinostart (Verwertungsförderung ÖFI+ inklusive Green Bonus für Kinostarts) die Möglichkeit, nicht vermeidbare Emissionen, zum Beispiel im Bereich der Druckwerke oder nicht-vermeidbarer Flüge zu kompensieren. Die dabei geleisteten Kompensationen finden lediglich in einem sehr geringen Ausmaß statt, weshalb an dieser Stelle auf eine ausführlichere Betrachtung der Verwertungsförderung verzichtet wird.
Die Analyse umfasst alle Kinofilmprojekte, die bis zum 31.12.2025 Kompensationsleistungen erbracht haben und vom ÖFI geprüft wurden.
Im untersuchten Zeitraum wurden von insgesamt 50 Kinofilmprojekten Kompensationszahlungen geleistet mit einem Gesamtausmaß von:
1.793t CO2eq das entspricht 43.023 EUR.
Die durchschnittlichen Kosten pro kompensierter Tonne CO2eq betragen 24 EUR.
Kinodokumentarfilme: (n=14)
- Kompensierte Menge gesamt: 167t CO2eq
- Kompensationszahlungen gesamt: 4.608 EUR
- Anteil Kompensationszahlungen an Gesamtherstellungskosten: 4,1 %
Kinospielfilme (n=36):
- Kompensierte Menge gesamt: 1.626t CO2eq
- Kompensationszahlungen gesamt: 38.415 EUR
- Anteil Kompensationszahlungen an Gesamtherstellungskosten: 3,9 %
Umfang geleisteter Kompensationsmengen von 50 Kinofilmprojekten in Tonnen
Der Großteil der kompensierten Treibhausgasemissionen und der dafür geleisteten Zahlungen stammt aus Kinospielfilmen. Kinodokumentarfilme machen einen deutlich kleineren Anteil aus. Dies spiegelt die unterschiedlichen Produktionsgrößen und Emissionsvolumina der beiden Filmgattungen wider.
- 9,3 % der insgesamt kompensierten Mengen entfallen auf Kinodokumentarfilme
- 90,7 % der insgesamt kompensierten Mengen entfallen auf Kinospielfilme
Das Donut Chart zeigt die Aufteilung der kompensierten CO₂-Mengen nach Filmgattung.
Kinospielfilme stellen mit rund 91 % den größeren Anteil, Kinodokumentarfilme etwa 9 %. Die Zahlen zeigen, wie sich die Kompensationsmaßnahmen auf die verschiedenen Filmtypen verteilen.
Bei 50 untersuchten Kinofilmprojekten gibt es in beiden Filmgattungen (Kinodokumentar- und Kinospielfilm) eine große Spannweite bei den kompensierten Mengen. Deshalb ist der Median aussagekräftiger als der Mittelwert (Durchschnitt).
Bei beiden Filmgattungen liegt der Mittelwert jeweils über dem Median. Dies bedeutet, dass einzelne Werte mit besonders hohen Kompensationsmengen den Durchschnitt erhöhen. Besonders bei Kinospielfilmen schwanken die kompensierten Mengen sehr stark.
Die große Spannweite deutet darauf hin, dass produktionstypische Faktoren und produktionstechnische Entscheidungen einen wesentlichen Einfluss auf die kompensierten Mengen haben.
Die kompensierten Mengen nach Filmgattung gestalten sich wie folgt:
- Dokumentarfilm:
- Median: 8,3t CO2eq
- Mittelwert: 11,9t CO2eq
- Kinospielfilm:
- Median: 29,8t CO2eq
- Mittelwert: 45,2t CO2eq