Das Kino lebt und die Sehnsucht nach dem gemeinsamen Erlebnis vor der großen Leinwand scheint nach der langen Durststrecke durch die Pandemie ungebrochen.

Das berichtete der Obmann des Fachverbandes der Kino-, Kultur- und Vergnügungsbetriebe in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Christian Dörfler, bei einem Pressegespräch.

Ein Plus von 55% bei den Kinobesuchen im ersten Quartal dieses Jahres unterstreicht das gelungene Branchencomeback. Eine mögliche Befürchtung, die Menschen würden nach der Pandemie Filme weiterhin vor allem über Streamingportale konsumieren, war unbegründet,

so Dörfler. Diesen erfreulichen Trend belegen auch die Zahlen, Daten, Fakten zur Entwicklung der Kinobesuche im noch schwierigen Jahr 2022 und im ersten Quartal 2023, die im Mittelpunkt einer Studienpräsentation des Fachverbandes gemeinsam mit dem Kooperationspartner Weischer.Cinema Austria standen.

Europaweite Renaissance der Kinos

Nach der coronabedingten Vollbremsung war auch 2022 ein sehr forderndes Jahr für die Branche. Umso erfreulicher ist der wirtschaftliche Aufschwung im ersten Quartal 2023. Dies zeigt das Durchhaltevermögen und die Resilienz unserer Betriebe. Zudem kommt das tolle Angebot an Filmen, die während der Pandemie nicht veröffentlicht werden konnten,

kommentiert Dörfler die aktuelle Situation der Branche.

Demnach haben in den ersten drei Monaten knapp über 3 Millionen Besucher die 137 heimischen Kinos mit ihren 561 Sälen und rund 90.000 Sitzplätzen besucht. Das sind um 55% oder 1.073.627 Besucher mehr als im gleichen Zeitraum 2022. Für die Zukunft erfreulich ist das Kinoverhalten der Jugendlichen in Österreich: So waren in den vergangenen 6 Monaten über 80% der 14- bis 19-jährigen Teenager im Kino.

Dass die Renaissance der Kinos keine auf Österreich beschränkte Entwicklung ist, zeigt auch der Blick auf die internationalen Besucher:innenzahlen für das erste Quartal 2023: So konnte in Deutschland ein kräftiges Plus von 61% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingefahren werden, in Italien legten die Ticketverkäufe in den ersten drei Monaten um 52% zu, in Frankreich um 32% und auch Spanien kam auf ein Plus +20,8%.

Zum bisherigen Verlauf des heimischen Kino-Jahres 2023 betonte Kinosprecher Dörfler:

Was im ersten Quartal 2023 ‚Avatar‘ – mit bisher 1.160.760 Besucher:innen – war, setzt sich aktuell mit dem im April gestartete Blockbuster ‚Der Super Mario Bros. Film‘ fort. Der Film hat bereits 525.585 Zuseher:innen in die Kinos gelockt, was uns zusätzlichen Rückenwind bringt.

Dörfler: Wirtschaftliche Rahmenbedingungen verbessern

Um diese positive Entwicklung nicht zu gefährden, fordert Dörfler Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Denn auch wenn der aktuelle Trend durchaus erfreulich ist, dürfe man nicht vergessen, dass die Kinos mit zu den von Corona am härtesten getroffenen Branchen zählten.
Ein wichtiges Anliegen ist Dörfler auch, dass alle Kinos, unabhängig von Unternehmensstruktur und Programm, als kulturelle Einrichtungen verstanden werden. Dörfler:

Kino hat einen kulturellen Auftrag, alle Kinos sind wichtige kulturelle Nahversorger, im städtischen und vor allem im ruralen Raum. Dementsprechend bedarf es aus meiner Sicht auch Unterstützung für alle Kinos – unabhängig von Struktur und Programm – seitens des Kulturministeriums.

Ebenso fordert der Fachverbandsobmann Förderungen für den Einbau von energiesparenden Geräten.

Nachhaltigkeit hält auch in den Kinos Einzug
Im Herbst 2022 hat der Fachverband nach einer Initiative des BMK und BMKÖS gemeinsam mit Verein für Konsumenteninformation (VKI) an der Adaption des Österreichischen Umweltzeichens für Kinos und Theater mitgewirkt und damit ein klares Zeichen Richtung Nachhaltigkeit der ganzen Branche gesetzt. Innerhalb kürzester Zeit sind bereits 2 Kinos zertifiziert und einige am Weg zur Zertifizierung nach dem bekanntem Umweltzeichen. In diesem Zusammenhang fordert der Obmann weitere Förderungen im Rahmen der Initiative „Klimafitte Kulturbetriebe“ um den Einbau von energiesparenden Geräten und Solaranlagen in Kinos massiv zu unterstützen.

Fachverband kooperiert künftig mit Weischer.Cinema Austria

Um den Erfolgskurs der Branche fortzusetzen, sollen uns Studienergebnisse künftig unterstützen, die Wünsche und Bedürfnisse unserer Kunden noch besser zu verstehen,

betonte Dörfler anlässlich der Präsentation der aktuellen Studie „cine.ma“. Bei dieser befragt das GfK-Institut im Auftrag von Weischer.Cinema Austria jährlich 8.000 Personen – repräsentativ für die österreichische Bevölkerung – zur Soziodemographie und Motiven des Kinobesuchs. „Seit 2011 führt Weischer.Cinema Austria regelmäßig die Markterhebung durch, was es möglich macht, allgemeinen Trends und Entwicklungen sowie saisonalen Schwankungen bestmöglich Rechnung zu tragen“, unterstreicht Dörfler die Kooperation der Branche mit Weischer.Cinema Austria, die in Österreich nahezu alle Kinos vermarktet.
„cine.ma“: Aktuelle Ergebnisse der Branchenstudie
Nach den Lockdowns und den durch die Pandemie bedingten Kinoschließungen wurden im Rahmen des Restarts der Kinos 2022 rund 10,5 Mio. Kinotickets erworben. Diesen zugrunde liegen netto 3,7 Mio. Kinobesucher über 14 Jahren, das sind rund die Hälfte aller Österreicherinnen und Österreicher ab 14 Jahren.
Ein Blick auf das Durchschnittsalter der österr. Bevölkerung ab 14 Jahren zeigt, dass während der Altersdurchschnitt in der Gesamtbevölkerung tendenziell steigt, das Kinopublikum nahezu gleich alt bleibt bzw. sogar jünger wird. Kino spricht somit nach wie vor in hohem Maß eine junge Zielgruppe an. Alleine im 2. Halbjahr 2022 waren bereits wieder 81% der 14-19-Jährigen und rund zwei Drittel der 20-29-Jährigen in den Kinos. Maßgeblich dazu beigetragen haben Filme wie z.B. „Top Gun: Maverick“, „Die Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“, „Guglhupfgeschwader“ und „Avatar: The Way of Water“.

Männliche Kinobesucher wollen Kinotechnologien – Frauen soziales Erlebnis
Während im Vergleich der Geschlechter für das männliche Publikum die bessere Technik (87% zu 83%) für den Kinobesuch ausschlaggebend ist, steht bei den Frauen das soziale Erlebnis (78% zu 71%) im Vordergrund.

Kino als Gemeinschafts- und Gruppenerlebnis
Besonders ausgeprägt ist bei Frauen wie Männern die Vorliebe, Kino gemeinsam zu erleben. Je jünger, desto größer ist die Gruppe im Kino. Über 70% der 14- bis 19-Jährigen gehen zu dritt oder in noch größeren Cliquen ins Kino. Mit zunehmendem Alter wird die Gruppe, mit der man das Kino besucht, kleiner. Mehr als die Hälfte der über 60-Jährigen geht lieber zu zweit ins Kino.

Das favorisierte Genre hängt von der Altersgruppe ab
Horrorfilme finden ihre größte Fanbasis bei den 20-29-Jährigen, während die Generation 70+ bei diesem Genre eher selten im Kinosaal anzutreffen ist. Bei Romanzen und Liebesfilmen ist das Publikum zu 78% weiblich, wohingegen die Kinosäle bei Science-Fiction Vorstellungen zu 65% von Männern dominiert werden.

Video on Demand (VOD) und Kinobesuch ergänzen sich
Kinobesuch und VOD-Nutzung sind kein Widerspruch. In erster Linie werden auf VOD Serien gesehen.

Wie komme ich ans Kinoticket? Geplant und Online
Spontan ins Kino gehen und Kinotickets an der Kassa kaufen wird seltener. Ticketverkäufe werden mittlerweile in hohem Ausmaß digital abgewickelt. Durch dieses veränderte Kaufmuster ergibt sich auch eine höhere Planbarkeit der Kinonutzung für Kinobetriebe und Werbetreibende.

„Big Screen“ bleibt einzigartig

Einige selbsternannte Experten haben die Kinobranche schon vor Jahren totgesagt, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Kino erfreut sich – wie die aktuellen Ergebnisse eindrucksvoll belegen – nach wie vor größter Beliebtheit und wir freuen uns auf viele weitere gemeinschaftliche Filmerlebnisse, die nur der ‚Big Screen‘ mit seiner einzigartigen Bild- und Soundtechnik bieten kann,

zeigen sich Dörfler und Kindermann von der Zukunft des Kinos überzeugt.

Die Ergebnisse der Studie „cine.ma“ finden sie unter: www.cine-ma.at

Quelle und Rückfragehinweis:
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